Auslandsprojekt Ungarn2018-08-30T10:32:14+00:00

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Ramdas Weichert
Projektentwicklung KiD
Telefon: (030) 613 907 0
Fax: (030) 613 907 10
r.weichert@kjhv.de

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Zielgruppe

Konzept

Allgemeines

Die Unterbringung und Betreuung in der Intensivpädagogischen Auslandsmaßnahme in Ungarn erfolgt auf der Grundlage von § 27 ff SGB VIII (i.V.m. §§ 34, 35, 36, 41 SGB VIII) sowie dem Konsultationsverfahren, gemäß der EU Verordnung EG Nr. 2201/2003 (Brüssel 2a), welches die internationale Unterbringung von Kindern- und Jugendlichen in Auslandsmaßnahmen rechtsverbindlich regelt.

Der offizielle Verfahrensweg des sogenannten „Brüssel IIa Abkommens“ erfolgt über das Bundesamt für Justiz, Zentrale Behörde für internationale Sorgerechtskonflikte in Bonn. In der Praxis bedeutet das, dass die notwendigen Unterlagen an die zuständige Stelle von dem entsendenden Jugendamt übermittelt werden müssen. Das Ersuchen auf Unterbringung wird von dort an die ungarische Zentrale Behörde weitergeleitet. Im Rahmen des Konsultationsverfahrens, stellen dann das Ungarische Ministerium für Personalressourcen, Hauptabteilung Kinderschutz und Vormundschaftssachen eine Urkunde mit der Zustimmung einer Unterbringung für den jeweiligen Jugendlichen aus und informiert ihrerseits die lokalen Behörden in Győr über den Jugendlichen in der Jugendhilfemaßnahme.

Darüber hinaus werden alle Jugendlichen auch bei der deutschen Botschaft in Budapest angemeldet, so dass im Fall einer nationalen Krisensituation auch das Auswärtige Amt umgehend reagieren kann.

Wir verfügen in der Umsetzung des Konsultationsverfahrens über langjährige Erfahrungen und stellen die notwendigen Unterlagen zur Verfügung, so dass die Aufnahme in der Auslandsmaßnahme mit einem geringen Verwaltungsaufwand realisiert werden kann.

Natürlich unterliegen die von uns betreuten Kinder und Jugendlichen auch im Ausland der allgemeinen Schulpflicht. Diese umfasst sowohl die Vollzeitschulpflicht (in Schleswig-Holstein neun Pflichtschuljahre) als auch die Berufsschulpflicht bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres. Über die regulären Leistungen, gemäß unserer Leistungsvereinbarung für die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen nach § 34 SGB VIII hinaus, bieten wir eine Kleingruppenbeschulung an, die an der Teilnahme zur externen Prüfung für den Erwerb des ersten allgemeinbildenden Schulabschlusses berechtigt. Sämtliche Auslagen für Beschulung, Vorbereitung auf den Abschluss und Transfer zur Prüfung sind im aufgeführten Schulsatz enthalten.

Darüber hinaus nutzen wir berufsbildende Praktika in Deutschland, um sowohl den Jugendlichen einen schrittweisen Wiedereinstieg zu ermöglichen, als auch gemeinsam mit ihm tragfähige Perspektiven für die Zeit nach dem Auslandsaufenthalt in anschließenden Jugendhilfemaßnahmen zu entwickeln.

Zielgruppe

Das Projekt steht bundesweit für vier erziehungshilfebedürftige männliche (Kinder und) Jugendliche ab einem Alter von 12 Jahren zur Verfügung. Es handelt sich dabei um Jugendliche in schwierigen Lebensphasen, die gekennzeichnet sind von:

Perspektivlosigkeit, problematischer Lebensführung, belastendes Verhalten in den Lebenszusammenhängen von Heim oder Familie, Obdachlosigkeit, Schulabstinenz/- müdigkeit, Drogengefährdung, Delinquenz.

Ein weiteres Merkmal sind häufige Hilfeabbrüche, in zumeist langjährigen durch Jugendhilfe geprägten Biographien der Kinder und Jugendlichen, welche meistens zu großen Misstrauen und Ablehnung gegenüber dem Helfersystem geführt haben. Oft entwickeln sie in diesen belastenden Lebensphasen Überlebensstrategien, die ihre Umwelt und besonders das Helfersystem vor große Probleme stellt und mit einer Vielzahl von Symptomen assoziiert sind, wie z.B.:

Aggressivität, Depressivität, Selbst- und Fremdgefährdungstendenzen, Sucht, Kontakt zu Peers mit verhaltensverstärkenden Einflüssen, stark gemindertes Selbstwertgefühl und der Überzeugung, wenig Einfluss auf die Gestaltung des eigenen Lebens zu haben usw.

Der entscheidende Vorteil von Auslandsprojekten ist die unbekannte kulturelle und soziale Umgebung, in die sich der Jugendliche begibt. In dieser „Inselsituation“ ist es oft nicht mehr von Vorteil, alte Verhaltensmuster und -strategien zu reproduzieren und eröffnet ein großes Feld, in dem eine Vielzahl von neuen Erfahrungen möglich werden. Im hohen Maße profitieren die in der Einrichtung untergebrachten Jugendlichen sowohl von dem muttersprachlich kleinen System, das oftmals ihren sozialen Fähigkeiten und Kompetenzen entgegenkommt als auch dem kontinuierlichen Beziehungsangebot durch den innewohnenden Betreuer.

Um diese Beziehung von Anfang an erfolgreich gestalten zu können, brauchen wir die Zustimmung des Jugendlichen für die Auslandsmaßnahme. Unsere Erfahrungen zeigen, dass sich die meisten Jugendlichen durch mangelnde Alternativen und Perspektiven und offenen und kooperativen Kontakten im Vorfeld der Maßnahme, für den in der Regel zwei Jahre dauernden Aufenthalt in Ungarn entscheiden.

Konzept

Standort

Unser Wohnhaus befindet sich in einem kleinen Dorf mit 2000 Einwohnern nahe der Stadt Győr, die in 20 Minuten mit dem Bus zu erreichen ist. Die Stadt liegt im Westen Ungarns und ist mit ihren knapp 130.000 Einwohnern eine der sechs größten Städte des Landes mit einer westlich orientierten Infrastruktur. Die Lage der Stadt Győr ermöglicht eine gute Anreise mit dem Flugzeug über Wien und einer einstündigen Autofahrt. Besuche von Eltern, Amtsvormündern und fallführenden Fachkräften, z.B. im Rahmen von Hilfeplangesprächen, können unkompliziert organisiert werden.

Die Fall- und Fachaufsicht erfolgt über die pädagogische Leitung in Deutschland durch mindestens einen Besuch der Einrichtung im Monat, im Fall einer sich anbahnenden Krise jedoch umgehend. Kurzfristige Kontaktaufnahmen von und nach Deutschland können durch den Einsatz von Videotelefonie, Skype oder ähnliche Kommunikationsmittel realisiert werden.

Leben im Haus

Über drei Etagen bietet unser Haus nach europäischen Standards viel Platz. Die großen Gemeinschaftsräume wie Wohnzimmer und Küche bieten ausreichend Platz für abwechslungsreiche Aktivitäten.

Den Jugendlichen stehen ein Kraftraum, und eine große Garage mit vielfältigen Materialien und Werkzeugen zur Verfügung, wo wechselnde handwerkliche Projekte angeboten werden (aktuell die Restauration eines Piaggio Dreiradwagens). Darüber hinaus gibt es ein Gemüsegarten und viele weitere Gartentätigkeiten rund um die Einrichtung.

Unser Betreuungskonzept

Gemäß unserem Leitbild: „Gemeinsam auf dem Weg zur Eigenverantwortung“ ist unser Handeln von einem humanistischen ganzheitlichen Menschenbild getragen. Wir orientieren uns am Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ und setzen dies in unserer täglichen Arbeit unter folgenden Aspekten um:

  • Natur erleben
  • Bewegung und Arbeit
  • Schule und lernen
  • Kreativität und Spiel
  • Essen und Ernährung

Pädagogischer Ansatz und Ziele

Der wesentliche Auftrag des erfahrungsorientierten Angebotes ist, für ein intensives Erlebnis in ungewohnter, neuer Umgebung, mit zudem anderssprachiger Bevölkerung sowie auch anderer Mentalität, die Chance zur Neuorientierung und zum Erfahren grundlegender sozialer Bezüge zu eröffnen.

Eine wichtige Zielsetzung im Projekt ist die maßvolle Sensibilisierung der Jugendlichen und jungen Erwachsenen für sich selbst und ihren Lebensraum, weshalb Konsum und übermäßige Luxusgüter im Projekt keinen Platz finden.

Ziel ist in jedem Einzelfall die Selbstfindung bzw. Verselbständigung des jungen Menschen, der regelmäßig im Wege einer Anschlussmaßnahme in Deutschland entweder in eigene Lebenszusammenhänge oder wieder in seine Ursprungsfamilie integriert, ein gesellschaftlich unabhängiges, selbstverantwortliches Leben führen soll.

Vor dem Hintergrund der in der Regel äußerst schwierigen Lebenssituation bzw. der eskalierenden Problemlagen der Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen, findet durch die Projektteilnahme ein Bruch zur bisherigen Umwelt statt mit der Zielsetzung, Distanz zu negativen Einflüssen und Erfahrungen herzustellen. Projektarbeit bedeutet ein bestimmtes Setting, d.h. eine bedürfnisgerecht arrangierte Erlebnis- und Lernsituation. Sie ist befristet, und hinsichtlich der Zielsetzung individuell definiert durch die Hilfeplanung gem. § 36 SGB VIII. Als individuelle Hilfe-/Gesamtplanungsdaten lassen sich folgende Ziele und Leistungsmerkmale definieren, wie z.B.:

  • Aufbau und Ausbau von Selbststeuerungs- und Heilungskräften
  • Stärkung der Gesamtpersönlichkei
  • Überwindung akuter Brüche in der Lebensplanung und Lebensgestaltung
  • Entwicklung von Durchhaltevermögen bei Leistungsanforderungen
  • Modifikation von eingefahrenen destruktiven Verhaltens
  • Entwicklung/Vertiefung von gesellschaftlichen Normen und Werten
  • Motivation zur Eigeninitiative und Mut für das eigene Leben
  • Sicheren Transfer der erlernten und verfestigen Kompetenzen durch eine sorgfältig und schrittweise geplante Reintegration in Deutschland entlang berufsbildender Praktika und langsame Integration in eine deutsche Jugendhilfeeinrichtung

Kontakt zu der Herkunftsfamilie/ wichtigen Bezugspersonen:

Auch über die weite Distanz zu dem Herkunftssystem hinweg, bleiben die Eltern und Geschwister ein wesentlicher Bestandteil einer gelingenden Hilfe. In der Einrichtung haben wir die Möglichkeit sowohl durch Telefonate (über eine Inlandsnummer) als auch dem Einsatz von Skype, WhatsApp, Facebook oder ähnlichen Kommunikationsmedien sicherzustellen, dass Eltern immer über ihre Kinder informiert sein können und auch mit diesen regelmäßig in Kontakt treten können.

Darüber hinaus legen wir viel Wert darauf, die Eltern oder andere wichtige Bezugspersonen am Beginn der Hilfe nach Ungarn einzuladen, damit sie die Umgebung und die Betreuer ihrer Kinder kennenlernen können. In Absprache mit allen an der Hilfe Beteiligten, versuchen wir dem Jugendlichen in der Regel zwei Heimfahrten im Jahr zu ermöglichen.

Um die Hilfe „vor Ort“ verstehen zu können, ist es auch wichtig, dass die fallführenden Fachkräfte und ggf. Amtsvormünder zumindest einmal die Einrichtung im Rahmen eines Hilfeplangespräches kennenlernen. Hierbei unterstützen wir in Organisation und Umsetzung gerne die Kolleginnen und Kollegen.